Der Gottesdienst am zweiten Advent wurde vom Frauenkreis unserer Kirchengemeinde gestaltet. in dessen Verlauf wurde Frau Brigitte Opper aus ihrem Amt als Kollektenrechnerin verabschiedet und Frau Karla Gebhardt als ihre Nachfolgerin eingeführt. Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein bedankte sich bei Frau Opper für ihre jahrelange, zuverlässige ehrenamtliche Arbeit und hieß ihre Nachfolgerin herzlich willkommen. Die anwesende Gemeinde klatschte Beifall.
(von links; Karla Gebhardt, Brigitte Opper, Hans-Joachim Greifenstein)
Weiterlesen
Schwanheimer Kleinkunstabend: Einheimische Talente unterhielten fast 300 Zuschauer im Dorfgemeinschaftshaus / Erlös für Jugendkeller der evangelischen Kirche
Jede Menge kreative Eigengewächse
© Neu
Schwanheim. Pfiffig, unterhaltsam, zauberhaft, witzig, ab und an rotzfrech und ein wenig schräg – so präsentierte sich der erste Schwanheimer Kleinstkunstabend im restlos ausverkauften Dorfgemeinschaftshaus. Nahezu 300 Zuschauer verfolgten fast vier Stunden lang, welche außergewöhnlichen Talente in ausschließlich Schwanheimer „Eigengewächsen“ schlummern.
Es war eine Premiere nach Maß – und für einen guten Zweck obendrein. Bei der Benefizgala traten alle Mitwirkenden, von den Chorsängern bis zum Schlagerkönig, vom jungen Büttenass bis zum Pfarrer, ohne Gage auf. Flott moderiert wurde der Kleinkunstabend von Manfred Jung.
Sämtliche Einnahmen werden in den Ausbau eines eigenen Jugendkellers für die evangelische Jugend gesteckt. Renovierungs- und Einrichtungskosten belaufen sich auf rund 45 000 Euro. Ein happiger Betrag, der durch die Arbeit von Ehrenamtlichen reduziert werden soll. Allein die Installation einer dringend notwendigen Be- und Entlüftungsanlage verschlingt allerdings schon eine Menge Geld.
Große Unterstützung hat die Kirchengemeinde bereits durch die Schwanheimer Bevölkerung erfahren. 800 Briefe hat der Kirchenvorstand an die Haushalte verschickt – woraufhin ein beträchtlicher Spendenbetrag von 8191 Euro einging.
Der Verwirklichung des langgehegten Wunsches, den muffigen Kellerraum in einen attraktiven Treffpunkt für die Jugend umzugestalten, ist die Evangelische Kirchengemeinde seit Sonntag ein Stück näher gerückt.
Und auch der Kirchenvorstand hat sein Scherflein dazu beigetragen. Gemeinsam mit Pfarrer Hans-Joachim Greifenstein, alias „der große Greifini“, versetzten die „zauberhaften Mitglieder“ das Publikum mit magischen Tricks und Kunststückchen in Erstaunen.
Überhaupt – der Pfarrer. Sein Auftritt mit Ausschnitten aus den Programmen des „Babenhäuser Pfarrerkabaretts“, war sozusagen das Salz in der Suppe. Wer bislang nur von den kabarettistischen Fähigkeiten des Kirchenmanns gehört hatte, der konnte sich bei der Benefiz-Show von seiner Schlagfertigkeit überzeugen. Die Besucher bogen sich vor Lachen über die Gedankenspiele, die Greifenstein über das Mann-Frau-Verhältnis zum Besten gab und die er zudem mit Bibelsprüchen würzte.
„Wollt ihr etwa so werden wie wir?“, war des Pfarrers hintergründiger Kommentar zur Emanzipation. Die Antwort auf die von ihm gestellte Frage, was denn ein Mann in einer Badewanne voller Salz bedeute, lieferte er gleich mit: „Ein gelöstes Problem.“ Den Rücktritt von Landesbischöfin Margot Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende hielt der Kirchen-Kabarettist für unnötig wie ein Kropf, denn „mit der Promillegrenze hätte man in Bayern Verkehrsminister werden können“.
Auch über die unterschiedlichen Eroberungsstrategien der Geschlechter machte er sich seine Gedanken: Mann muss zuhören oder so tun als ob, zärtlich und verlässlich sein und die Allerliebste ernst nehmen. Frau hingegen hat es da wesentlich einfacher: „Sie kommt nackisch daher und bringt was zu essen mit.“
Eröffnet wurde der bunte Abend mit einem musikalischen Potpourri des Singkreises Schwanheim und des im vergangenen Jahr neu gegründeten Kinderchors. Beide Ensembles werden von Cosima Seitz geleitet. Markus Franke begleitete die Sängerinnen und Sänger am Klavier.
Es war der erste gemeinsame Auftritt der Chöre, der geradezu nach einer Zugabe verlangte. Mit einem südafrikanischen Gospel verabschiedeten sich die Sänger von ihrer Fangemeinde.
Ein herzerfrischendes Supertalent ist die junge Chiara Stein. Als Zauberlehrling Harry Potter versprühte das quirlige Büttenass jede Menge gute Laune und studierte mit dem Publikum Zaubertricks ein. Gemeinsam mit ihrer Schwester Selina, Anne Baumgärtner und Selina Schmidt zeigte Chiara dann noch eine flotte Tanzdarbietung.
Rock und Pop mit eindeutig hessischem Zungenschlag – und mit viel Lokalkolorit angereichert – servierten die 13 singenden „Kirchturmschwälbchen.“ Ein Nummer-eins-Hit war der Song über Bella Italia.
Hartmut Ahlheim und Klaus Dickerhof schließlich unterhielten mit einem kurzen Sketch und flapsigen Kommentaren über die „Kuh Elsa“, bevor Schlagerkönig Rico Bravo und Tango Djano mit Schlagern aus den 70ern den Saal zum Toben brachten. Das Publikum erwies sich dabei als überaus textsicher und trällerte nicht nur beim „Bett im Kornfeld“ lauthals mit. gs
© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 30.10.2012
Weiterlesen
„Mir war’n uff Rom“ – „Wir waren in Rom“
„Schuld“ an allem hat unser Schwanheimer Gemeindemitglied Margarete Pfeiffer. „Herr Pfarrer“ sagte sie eines Tages zu mir, „sie fahren doch immer nach Italien. Könnten Sie nicht mal eine Gemeindefahrt nach Rom machen? Ich würde da gerne mal hin und es kämen bestimmt genug zusammen.“
– „Ha“, dachte ich mir, „das ist eigentlich gar keine schlechte Idee“ und sprach mit meiner Frau. Die sah es genauso, dann trugen wir die Idee dem Kirchenvorstand vor und der stimmte zu.
Dann ging das Planen los. Da unser Wunschhotel belegt war, warteten wir noch ein ganzes Jahr und schrieben die Reise Anfang 2012 aus.
Mit 26 Plätzen planten wir die Fahrt und hatten über 70 interessierte Leute. Es musste gelost werden.
Ein Flug wurde bestellt, Reisepläne geschmiedet, eine Führerin vor Ort engagiert, ein Vortreffen durchgeführt und viele viele Stunden steckten wir unsere Köpfe zusammen, planten, besprachen, entwickelten Ideen und verwarfen sie wieder.
Einigermaßen aufgeregt begrüßten wir am Samstag, 13.10 2012 um 6.45 Uhr unsere Lieben im Bus zum Frankfurter Flughafen. Der Flug verlief problemlos. Hervorzuheben ist dass eine Teilnehmerin, Frau Margarete Wegfahrt bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal geflogen ist. Sie hat es wacker bestanden. „Ach des war gar net so schlimm, des könnt isch ja noch emal mache!“ – „Ja, das müssen sie auch, wir wollen ja schließlich wieder heim,“ lachten wir.
Wir kamen aus dem Flughafen raus und ich war geschockt: Es regnet. Drei Monate hat es in Rom nicht geregnet und der Oktober ist im Durchschnitt zehn Grad wärmer als in Deutschland. Mit Regen hatte ich nicht gerechnet!
Unsere Gästeführerin begrüßte uns und führte uns zuerst zur Kirche Sankt Paul vor den Mauern, danach ging es im Bus in Schleifen durch Rom zum Hotel. Es ist ein gepflegtes Haus im Stadtviertel Prati, fünf Minuten von der Engelsburg entfernt.
Wir unternahmen noch einen kleinen Spaziergang zum Vatikan, erfreuten uns am Petersdom bei Nacht und kamen gerade rechtzeitig zum Abendessen wieder zurück. Die meisten waren ziemlich müde und legten sich danach aufs Ohr, einige Unentwegte genossen noch auf der Dachterrasse den schönen Anblick der Stadt.
Jeden Tag feierten wir vor dem Frühstück eine Andacht auf dieser Terrasse und freuten uns, dass die Sonne dabei schön über Rom aufging. Abends trafen wir uns dort in geselliger Runde sangen, babbelten miteinander und hatten ganz viel Spaß.
Sonntags besuchten wir einen eindrucksvollen Gottesdienst in der deutschsprachigen lutherischen Kirche in der via Sicilia, danach ging es in einem langen Spaziergang durch die ganze Stadt.
Wir hatten es bei der Vorbereitung immer wieder gesagt: Wir werden viel, ja sehr viel laufen und wir werden in Restaurants überteuerte Speisen zu uns nehmen und schreckliche Toiletten kennen lernen. Alle diese Vorhersagen trafen ein, keine davon konnte uns die gute Laune nehmen. Das zeichnete unsere Gruppe aus: Eine unverwüstlich gute Stimmung, die auch durch einen kräftigen Regenguss im Garten des Vatikans (der Ausdruck „nass bis auf die Haut“ trifft es ziemlich genau und ist keineswegs übertrieben) oder durch langweilige Endlosschleifen („bla, bla, bla, Augustus, bla, bla, Architrav, bla, bla, Cosmaten, bla, bla…..“) einer untermotivierten Gästeführerin nur kurzzeitig zu erschüttern war.
Wir waren oft unterwegs und haben sehr viel gesehen: Die spanische Treppe, den Trevi-Brunnen, das Pantheon, die vatikanischen Gärten, einen kleinen Teil der vatikanischen Museen, die Sixtinische Kapelle, den Petersdom, Ostia Antica, das Kolosseum, das Forum Romanum, das Kapitol, die Synagoge, Teile von Trastevere, die Engelsburg, viele Geschäfte und ein Restaurant mit lustigen Kellnern, die viele Dummheiten im Kopf hatten („das war Essen mit Theater dabei“). Einige machten touristische Überstunden und besuchten den nicht-katholischen Friedhof, das Garibaldi-Denkmal, die Piazza Popolo, den Park der Villa Borghese und noch ganz viele Kirchen.
Wenn Sie jetzt denken: „Oh, das war aber recht viel“, dann haben sie recht. Das Ganze bei schönem Wetter in einer lauten Stadt und in einer für viele sprachlich völlig fremden Umgebung, da ist man abends müde und hat Mühe zu sortieren, was man da jetzt eigentlich gemacht und gesehen hat. Die Reise hat großen Spaß gemacht, aber anstrengend war sie auch. Öfter konnte man den Satz hören: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal erleben würde.“
Rom hat eine einzigartige Atmosphäre: In kaum einer Stadt kann man die Spuren epochemachender Geschichte in so kurzer Entfernung nebeneinander erleben, es gibt beeindruckende Bauwerke, ganz viel Tradition und moderne Lebensart, Reichtum und Armut, Glanz und Elend, sympathische und unsympathische Erscheinungsformen von Religion und Glaube, dazu hatten wir eine schöne Oktobersonne und guten Rotwein.
– Rom ist allemal eine Reise wert.
Hans-Joachim Greifenstein
Weiterlesen
Mönch sein für einen halben Tag…
das durften in diesem Jahr die KiGo-Kinder bei unserem Ausflug zum Kloster Lorsch erleben. An diesem Tag standen die Themen: Brot backen wie in alten Zeiten, das Leben im Mittelalter und im Kloster, auf dem Programm. Mit 3 Betreuerinnen des KiGo-Teams (Sandra Berg, Christiane Delp und Rita Stelzig), 12 Kindern und einigen Eltern starteten wir mit der Seminarleiterin Almut unser Programm. Zunächst musste natürlich der Brotbackofen angefeuert werden. Unter fachkundiger Anleitung und Erklärungen von Almut wurde dieser von den größeren Kindern befeuert. Dann durften alle Kinder zur Tat schreiten und die Hauptzutat, das Mehl, mit einer „Mittelalterlichen Küchenmaschine“ mahlen. Zwei kleine Mühlsteine wurden hierzu benutzt.
Zunächst durften die Kinder jedoch die klassischen Kornsorten Weizen, Roggen und Dinkel identifiziert. Natürlich wurde nicht das komplette Mehl in Handarbeit gemahlen. Für die Herstellung des Brotteigs wurde auch fertiges Mehl verwandt. Fleißig kneteten die Kinder mit ihren Händen den Teig.
Schließlich starteten wir einen kleinen Rundgang. Almut erklärte den Aufbau der Klosteranlage und die ursprüngliche Funktion der einzelnen Gebäude. Auch zu Teilen des Gartens gab sie Erläuterungen. Highlight war der in der Mauer eingelassene Stein mit Ausschnitt, der den Mönchen als Toilette diente.
Nach Beendigung des Rundgangs durften die Kinder für den Brotaufstrich Schnittlauch aus dem klostereigenen Kräutergarten klein schneiden und in einem Butterfass die Sahne zu Butter stampfen.
Inzwischen war der Brotteig ausreichend aufgegangen, so dass die Kinder aus dem Teig kleine Brötchen formen konnten, die sodann in den Backofen geschoben wurden.
Nach einer kurzen Abkühlpause durften alle die selbst hergestellten Brötchen mit Butter und Kräuteraufstrich probieren. Es schmeckte so gut, dass nichts übrig blieb.
Am Ende der Veranstaltung bemerkten wir, dass das selbstgemahlene Mehl gar nicht für den Teig verwendet wurde. Darauf hin erklärten die Eltern eines KiGo-Kindes für das nächste Treffen aus dem Mehl ein Brot herzustellen. (Das Versprechen wurde inzwischen auch eingelöst. Vielen Dank an die Familie Weidner).
Nach einem erlebnis- und lehrreichen Nachmittag verabschiedeten wir uns alle von unserer Seminarleiterin Almut. Alle Kinder, die Eltern und die Teamer des KiGo´s gingen satt und zufrieden nach Hause.
Weiterlesen
„Kirche? Wie langweilig!“ – ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Kommentar bereits gehört habe und wie oft ich daraufhin zu einer langen Erklärung ansetze, warum dem eben nicht so ist. Jugend und Kirche, das gehört für die meisten Leute nicht zusammen und ich wurde oft gefragt, wie ich dazu gekommen bin, so viel meiner Freizeit mit ehrenamtlicher Arbeit zu verbringen. Ich habe darauf keine Antwort, denn es hat sich einfach so ergeben. Es kam einfach immer mehr dazu und da es mir Spaß machte, dachte ich mir jedes Mal: Warum nicht? Für mich hatte Kirche nie etwas mit Langeweile zu tun. Klar, als Kind war ich vom normalen Gottesdienst alles andere als begeistert, aber Kirche hat so viel mehr zu bieten – schade, dass viele Jugendliche bereits von ihren Eltern ein negatives Bild von Kirche vermittelt bekommen und so nicht die Chance haben das zu erleben, was ich in den vergangenen Jahren erleben durfte.
Meine „Karriere“ begann als Kindergottesdienstmitarbeiterin im Alter von zwölf Jahren in meiner Kirchengemeinde in Schwanheim an der Bergstrasse. Davor war ich selbst fast jeden Sonntag dort gewesen, und so war es nur natürlich, dass ich begann auch an den Vorbereitungen teilzunehmen, um für die jüngeren Kinder etwas zu organisieren. Nach meiner Konfirmandenzeit, welche im Jahr 2006 mit meiner Konfirmation endete, war es demnach auch eine logische Schlussfolgerung, dass ich von nun an als Konfi-Teamerin arbeiten würde. Meine Mutter begann damals ebenfalls, den Konfi-Unterricht mitzugestalten (- hatte davor den Kindergottesdienst geleitet und ist im Kirchenvorstand) und so hatte ich leicht die Möglichkeit, mich einzubringen. Es machte mir Spaß, Verantwortung zu übernehmen, Kleingruppen zu leiten und gemeinsam mit Pfarrer und Ehrenamtlichen das Programm zu kreiieren. Auf einer Konfifreizeit lernte ich dann das erste Mal auch Teamer aus anderen Gemeinden kennen und kurz darauf begannen Fortbildungen, welche meine Gemeinde gemeinsam mit der Nachbargemeinde Einhausen organisierte. Da es in meiner Gemeinde damals kaum jugendliche Teamer gab, war es etwas Besonderes, in Kontakt mit anderen zu kommen, die eben nicht wie meine Freunde Unverständnis zeigten, wenn ich von der Kirchenarbeit sprach, sondern die diese Leidenschaft mit mir teilten. Dabei ging es bei diesen Fortbildungen und Freizeiten alles andere als fromm zu. „Was macht ihr denn da außer beten und über Gott reden?“ – Na lustige Spiele spielen, Pizza essen, abends zusammen sitzen und etwas trinken, ganz einfach! So wie ganz normale Jugendliche – das waren wir nämlich.
Im April 2008 kam ich das erste Mal in Kontakt mit dem Dekanat Bergstraße. Ein Dekanat ist die „Dachorganisation“ von Gemeinden, in unserem Fall gehören 34 Gemeinden dazu. Die Dekanatsjugendreferenten organisieren gemeinsam mit Ehrenamtlichen jedes Jahr Mitarbeiterschulungen, und an einer solchen wollte auch ich dann teilnehmen. Schon auf dem Weg nach Bremen lernte ich wiederum sehr viele nette Leute kennen – manche davon sollten zu meinen besten Freunden werden. Die Mitarbeiterschulung war ein unvergessliches Erlebnis, weil ich in den vielen Workshops nicht nur Kommunikationsformen vertiefen konnte, sondern auch die rechtliche Seite der Arbeit mit Jugendlichen kennen lernte, außerdem lernte ich die Strukturen der Kirche kennen. Mir wurde klar, dass es noch so viel mehr gibt als nur die eigene Gemeinde. Man darf sich so eine Mitarbeiterschulung auch nicht als Arbeit vorstellen, es ist mehr wie eine etwas andere Klassenfahrt, auf der man auch Ausflüge macht und bunte Abende organisiert, gemeinsam singt, weil immer einige ihre Gitarren dabei haben, und schließlich gibt es eben einen gemeinsamen Jugendgottesdienst am Ende.
Im Jahr 2008 und 2009 verbrachte ich dann ein Jahr in Kanada, doch als ich zurück kam war ich sofort wieder bei der Konfi-Arbeit dabei. Ob Wochenenden, Freizeiten oder Fortbildungen, ich hatte nie das Gefühl, dass es eine lästige Pflicht ist – denn das ist das Tolle an der Arbeit: Es ist kein Zwang, es ist alles vollkommen freiwillig. Ich lernte bei der Arbeit viel über mich selbst und bei den Fortbildungen lernte ich, mich selbst und meine Arbeit zu reflektieren – eine sehr wertvolle Fähigkeit, die mir auch in vielen anderen Bereichen des Lebens geholfen hat. Zwischendurch gab es in unserer Gemeinde eine Zeit ohne Pfarrer, da ein Pfarrer gegangen war und wir noch keinen neuen angestellt hatten. In dieser Zeit war vor allem die Konfirmandenarbeit natürlich auf Ehrenamtliche angewiesen und wir bekamen immer mehr jüngere Teamer dazu, die selbstverständlich Hilfe brauchten, genau wie ich sie am Anfang gebraucht habe. Im Jahr 2009 fand auch das erste Mal der Dekanatskonfitag statt, wo ich gemeinsam mit zwei Freunden (die ich auf einer Mitarbeiterschulung kennen gelernt hatte) einen Workshop leitete. Das war auch eine neue Erfahrung, da wir komplett selbst für das Konzept und die Durchführung verantwortlich waren. Das Angebot dazu kam, weil wir mittlerweile durch Schulungen eben im Dekanat bekannt waren – und wer einmal begonnen hat, ehrenamtlich zu arbeiten, der wird immer mehr Möglichkeiten bekommen.
Das Jahr 2010 war dann ein weiterer Wendepunkt. Ich wurde 18 Jahre alt und damit in die Teamleitung der Konfirmandenarbeit aufgenommen. Wir hatten einen neuen Pfarrer, mit welchem ich mich sehr gut verstand (und auch immer noch verstehe), so dass die Arbeit noch mehr Spaß machte. Fortbildungen leitete ich mittlerweile, anstatt daran teilzunehmen. Wenn das jetzt nach Stress klingt, dann kann ich das definitiv verneinen. Natürlich war es manchmal stressig, aber es war positiver Stress, denn für mich war immer der Spaß das Wichtigste an der Arbeit und den habe ich auch nie verloren. Natürlich läuft auch in der Jugendarbeit nicht immer alles toll ab. Da gibt es Jugendliche, die sich gegen alles sperren, es gibt Mitarbeiter, die nicht so engagiert sind wie man selbst und dann ist es sehr frustrierend, wenn nichts zu Stande kommt, aber damit muss man leben können. Mit Rückschlägen umgehen zu können ist etwas, was man in allen Bereichen des Lebens tun muss, und so bleibt es auch bei dieser Arbeit nicht aus.
Fast zeitgleich sprach mich die Jugendreferentin des Dekanats Bergstraße an, ob ich mich nicht zur Wahl stellen möchte, um eine Jugendvertreterin im Dekanat zu werden. Dieser Gedanke war mir zuvor noch nie gekommen, da ich zwar mit dem Dekanat und seinen Gremien vertraut war, das aber nie mit mir selbst in Verbindung gebracht habe. Ziemlich spontan entschied ich mich dann, es zumindest mal zu versuchen – zu verlieren gab es ja nichts. Beim Wahlabend stellten sich fünfzehn Jugendliche zwischen 14 und 27 zur Wahl, sieben wurden gewählt – ehe ich mich versah war ich plötzlich Mitglied in der Evangelischen Jugendvertretung des Dekanats Bergstraße (EJVD). Auf meiner Agenda standen deshalb auf einmal Sitzungen, Präsentationen auf Mitarbeiterschulungen und der Synode des Dekanats (in der Synode sitzen die Kirchenvorsteher und Pfarrer) und noch so einiges mehr. Ich lernte eine komplett neue Seite der Jugendarbeit in der Kirche kennen, die auf einer höheren Ebene als der der Gemeinde stattfand. Jugendpolitik war plötzlich ein Thema und ich lernte so viele Leute kennen, darunter engagierte Jugendliche so wie ich, aber auch viele Erwachsene, die in der Kirche Entscheidungen treffen und deren unsere Meinung wichtig ist. Eine Amtsperiode der EJVD beträgt zwei Jahre, und in den zwei Jahren von 2010 bis 2012 haben wir so viel erreicht: Wir erhielten das Stimmrecht in der Synode auf unseren Antrag hin, wir organisierten Freizeiten (unter anderem Kroatien, Schweden, eine Jugendbegegnung mit Portugal), waren auf Mitarbeiterschulungen und Konfifreizeiten dabei, organisierten Jugendgottesdienste (zum Beispiel auf dem Dekanatskonfitag 2011, wo wir auch erneut Workshops leiteten), entwickelten ein Logo und überarbeiteten unsere Satzung. So war von aktiver Jugendarbeit über Jugendpolitik bis hin zu Diskussionen alles dabei. Unter anderem engagierten wir uns für den Atomausstieg und waren auf allen Vollversammlungen der EJHN (Evangelische Jugend Hessen-Nassau) – dies ist die Ebene über den Dekanaten, Jugendvertreter aus der gesamten Landeskirche treffen sich, um über verschiedene Themen zu entscheiden. Highlight der Arbeit in der EJVD war der Eröffnungsgottesdienst des Jugendkirchentages 2012, welchen das Dekanat Bergstraße komplett gestaltete und wo auch der Kirchenpräsident der Landeskirche, Volker Jung, mitwirkte. Circa 2000 Jugendliche waren an diesem Tag da, um mit uns diesen Gottesdienst zu feiern, und in solchen Momenten spürt man eine Verbundenheit, die man schlecht erklären kann. Außer uns in der EJVD wirkten noch ungefähr fünfzig andere Jugendliche mit bei dem Gottesdienst (unter anderem im Chor und in der Band), und diese Gemeinschaft am Vorabend, wenn alle nervös sind und alle alles geben, dass der Gottesdienst ein Erfolg wird – das ist mit Worten nicht zu beschreiben, es ist ein unglaubliches Gefühl, das ich so in wenigen Momenten meines Lebens gespürt habe.
Neben der offensichtlichen Arbeit war die EJVD aber auch so viel mehr – neue Freunde kennen lernen, mehr über Jugendarbeit lernen, so viel Spaß auf gemeinsamen Ausflügen und Festen und insgesamt ein wichtiger Teil meines Lebens. Im Jahr 2011 bin ich nach Hamburg gezogen, also ein Jahr vor Ende der Amtsperiode, doch alle sechs Jugendvertreter genauso wie die beiden Jugendreferenten und Jugendpfarrer waren der Meinung, dass wir auch das schaffen können – und das haben wir. Ich weiß nicht, wie oft ich im Auto gesessen habe, stundenlang im Stau war, nur um für zwei Tage wegen einer Sitzung oder Besprechung da zu sein, und dachte: „Wofür tue ich das eigentlich?“ Eigentlich weiß ich es ganz genau. Die Jugendarbeit ist meine Leidenschaft, ich liebe diese Arbeit und ich könnte nie ohne! Aktive Konfiarbeit kann ich jetzt natürlich nicht mehr viel machen, weil mir sowohl die Zeit als auch das Geld fehlen, um ständig in den Süden zu fahren, aber auf Freizeiten war ich trotzdem noch dabei. Der Pfarrer meiner Gemeinde hat mich bei der Verabschiedung zum „Ehren-Teamer“ ernannt – es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich immer willkommen bin und immer zurück kann.
Das Hobby zum Beruf machen, das sagen viele Musiker oder Schauspieler von sich, doch auch ich kann mich in dort nun einreihen, denn ich studiere seit September 2011 Soziale Arbeit in Hamburg. Nach einem Praktikum im Dekanat Bergstraße, begleitet von der Dekanatsjugendreferentin, welche mittlerweile zu einer Freundin geworden ist, gab es keine Zweifel mehr. Während der drei Monate, die ich dort arbeitete, hatte ich nicht das Gefühl auch nur einen einzigen Tag arbeiten zu müssen, obwohl wir im Durchschnitt locker über eine Vierzig-Stunden-Woche hinaus kamen. Der Kirchentag in Dresden, eine Jugendbegegnung mit Portugiesen in Rostock, Konfiarbeit in vielen Gemeinden im Dekanat, Sitzungen mit Gemeindepädagogen, Arbeitskreise, die Organisation des Dekanatskonfitags, ich hatte Einblick in so viele verschiedene Bereiche der Jugendarbeit und war mir immer sicherer, dass der Berufszweig das Richtige für mich ist. Nach über einem Jahr kann ich nun sagen: Ja, das ist er.
Selbstverständlich konnte ich es mal wieder nicht lassen und habe auch hier in Hamburg eine Betätigung gefunden: Im Mai 2013 wird hier der Deutsche Evangelische Kirchentag stattfinden und ich bin bereits mit den Verantwortlichen in Kontakt, um ehrenamtlich zu helfen, sowohl vor als auch während des Kirchentages.
Gerade waren auch wieder EJVD Wahlen – eigentlich wollte ich aus Rücksicht auf meine Mit-Jugendvertreter nicht mehr zur Wahl treten, doch nachdem mir alle geschlossen versichert haben, dass sie mich dabei haben wollen (und da ich ja auch eigentlich dabei sein wollte), habe ich mich überreden lassen. Ich bin erneut gewählt worden und freue mich auf zwei weitere Jahre in der EJVD, auch wenn es teilweise mehr Stress für mich bedeutet. Ich liebe genau diesen Stress, beziehungsweise eher das Gefühl, etwas erreichen und verändern zu können. Wir haben schon so viele Pläne für das nächste Jahr, unter anderem eine Sommerparty und eine Sommerfreizeit nach Mecklenburg-Vorpommern, ganz abgesehen von dem üblichen Programm aus Sitzungen und EJHN-Vollversammlungen, Synoden und dem wieder anstehenden Dekanatskonfitag. Ich weiß noch gar nicht, was ich mache, wenn ich das 27. Lebensjahr vollendet habe – dann zähle ich nämlich nicht mehr zur Jugend in der Kirche. Wahrscheinlich muss ich mir dann eine andere Art der ehrenamtlichen Arbeit in der Kirche suchen, denn ohne kann ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen. Auch wenn es so klingt, als ob ich keine Zeit für andere Dinge hätte – das ist natürlich nicht wahr. Ich studiere bisher sehr erfolgreich, reite mehrmals die Woche, gehe auf viele Rock-Konzerte in ganz Deutschland und habe sehr viele Freunde, die mit der Kirche gar nichts anfangen können. Das ist auch okay! Ich sehe mich nicht als Missionarin, ich versuche nicht, irgendjemanden davon zu überzeugen, dass Kirche das einzig Wahre ist – für mich ist diese Arbeit ein Ausgleich zu meinem normalen Leben, für andere ist es etwas anderes. Ich fühle mich in der Kirche zuhause und weiß, dass es dort Menschen gibt, die immer für mich da sein werden, und ich weiß, dass nicht jeder solche Menschen in seinem Leben hat, deshalb bin ich unglaublich dankbar dafür und auch dankbar für die Möglichkeiten, die mir durch die ehrenamtliche Arbeit in der Kirche schon gegeben wurden.
Natalie Hechler (20 Jahre)
Weiterlesen
Der Jugendgottesdienst auf Schloss Auerbach ist inzwischen zu einer festen Größe im Dekanat geworden. Er fand am 23. September bereits zum siebten Mal statt. Maßgeblich vorbereitet wurde er von der Mitarbeiterjugend Auerbach und der Teamer Gruppe Meerbachtal um den Gemeindepädagogen Arik Siegel.
Dekanin Ulrike Scherf führte beim Gottesdienst die zwei Tage zuvor neu gewählten Jugendvertreter im Evangelischen Dekanat Bergstraße in ihr Amt ein. „Wir brauchen Euch mit Euren Ideen, mit Eurer Kreativität, aber auch mit Euren Fragen und Ansichten“, sagte die Dekanin zu der Jugendvertretung, die mit einer Ausnahme die alte ist. Wieder gewählt wurden Stefanie Kolb aus der Heilig-Geist-Gemeinde Heppenheim, die Auerbacher Oliver Guthier, Sven Kempa, Ramona Bernhardt, Natalie Hechler aus Schwanheim und Jennifer Böhm aus Einhausen. Einziges neues Gesicht ist Tobias Kolb aus Mörlenbach. Er ersetzt Tobias Pöselt aus Reichenbach, der sich nicht mehr zur Wahl stellte.
Kandidiert hatten insgesamt zwölf Personen. An der Wahl während der Vollversammlung der Evangelischen Jugend im Heppenheimer Haus der Kirche beteiligten sich Jugendliche aus zehn Kirchengemeinden. Die beiden Dekanatsjugendreferenten Bruno Ehret und Ulrike Schwahn werteten die Abstimmung als Vertrauensbeweis für die bisher geleistete Arbeit der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat.
Weiterlesen