Besuch einer Delegation aus Tansania

Am 05.09.2016 um kurz nach 10:00 Uhr hieß es in Schwanheim „Karibu brothers and sisters“.

Leicht verfroren mit dicken Winterjacken entstiegen die Gäste aus Tansania dem Dekanatsbus.
Pfarrer Stefan Ningel hatte sie von Hammelbach zu uns nach Schwanheim gebracht.

Im Haus der Begegnung angekommen, begrüßte uns Elias Mtungilwa mit den Worten: „Welcome in my house.“ Ja, er hatte recht. Es ist auch sein Haus, denn Schwanheim ist mit seiner Kirchengemeinde der Moravian Church in Morogoro seit über einem Jahr eine Partnerschaft eingegangen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es dann auch schon weiter zur Kirchenbesichtigung. Schließlich war ein umfangreiches Besuchsprogramm zu bewältigen. Nach einer kleinen Andacht
brachte Elias Mtungilwa die Schwanheimer Orgel zum Klingen. Wie sich noch herausstellen sollte, gibt es wohl kein Musikinstrument, das er nicht beherrscht.

Auf dem Friedhof erläuterte Carla Bergmann den Gästen vor der Urnenwand, die sich wandelnde Begräbniskultur in Deutschland. In Tansania sind weiterhin Erdbestattungen üblich.

Nächster Programmpunkt war der Besuch des Kindergartens. Mit großem Hallo wurde die Gruppe dort empfangen. Gemeinsam mit den Kindern bildete man einen Kreis und sang mit viel Körpereinsatz ein Lied. Die Gäste hatten Gefallen an der Darbietung und beteiligten sich eifrig.

Bei der anschließenden Besichtigung des Kindergartens zeigten sie großes Interesse an den sanitären Anlagen. Offensichtlich hatten sie solche speziell für Kinder noch nie gesehen. Es wurde alles ausgiebig mit dem Smartphone und Fotoapparat fotografiert.

Bei einem kurzen Ausflug ins Neubaugebiet zeigten sich die Gäste von den Wohnhäusern dort beeindruckt und wollten wissen, wie teuer der Hausbau in Deutschland ist. Die meisten in der Gruppe hatten Notizblöcke dabei und notierten fleißig das Gehörte.

Schließlich gelangte die Delegation zur Drechslerei von Ulrich Heinecker. Er führte den Gästen vor, wie früher und heute Holz bearbeitet wird. Hier zeigte Elias Mtungilwa an der Drehbank sein handwerkliches Geschick, obwohl er von Beruf eigentlich Arzt ist. Auch dort erhielt er Gelegenheit ein Musikinstrument zu spielen. Ulrich Heinecker ist leidenschaftlicher Dudelsackspieler und gab den Gästen eine kurze Kostprobe seines Könnens und Elias die Möglichkeit, das Instrument auszuprobieren.

Zur Mittagspause fand man sich im Haus der Begegnung ein. Es gab Rindfleischsuppe mit Markklößen.

Dann wurden die Gäste auch schon von Tilman Pape zum Besuch des konfessionskundlichen Instituts in Bensheim abgeholt.

Nach der Rückkehr aus Bensheim wurden die Gäste ihren Gastfamilien übergeben. Schon Wochen vor der Ankunft der Gäste aus Tansania hatten sich die Gastfamilien Gedanken gemacht. Wie werden die Gäste wohl sein, was wollen sie trinken, was wollen sie essen, was kann man machen, dass sie sich bei uns wohlfühlen? Es hat alles geklappt.
Die Gäste kamen zufrieden von ihren entsprechenden Quartieren in Fehlheim bei Fam. Bergmann, Familie Mundt, bei Frau Annemarie Feigl und in Rodau bei Helga und Herbert Schneidt nach Schwanheim in die Kirche zum Verschwisterungsgottesdienst. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand und dem Partnerschaftsausschuss zog die Gruppe in die gut besuchte Kirche ein.

Mit der gegenseitigen Unterschrift auf einer Urkunde wurde die Partnerschaft zwischen der Moravian Church in Morogoro und der evangelischen Kirchengemeinde Schwanheim offiziell im Gottesdienst bestätigt. Es wurden Geschenke ausgetauscht, gemeinsam gebetet und gesungen. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein im Haus der Begegnung nahmen viele die Gelegenheit war, mit den Tansaniern ins Gespräch zu kommen. Der Singkreis Schwanheim hatte kurzerhand seine Chorprobe ins Haus der Begegnung verlegt und so kam die Gemeinde in den Genuss von Gesangsbeiträgen, sowohl vom Singkreis Schwanheim, als auch von den Gästen aus Tansania. Es wurde ein schöner, multikultureller Abend.

Am nächsten Tag begann das Tagesprogramm wie in Afrika schon früh am Morgen. Um 7:00 Uhr traf sich die Gruppe beim Bauernhof der Familie Sillus in Fehlheim zur Fütterung der Kälber und Melken der Kühe. Stolz lies sich Elias Mtungilwa auf dem Traktor fotografieren. Wahrscheinlich hätte er gerne damit eine Runde gedreht, doch die Kälber wollten gefüttert werden.
Gefüttert wurde mit Klee, Silage und Kraftfutter, so wie es auch in Tansania üblich ist. Neu war für die Gäste, dass die Kälber mit 6 Wochen zum eigenen Schutz und zum Schutz des Halters enthornt werden.
Bei den Kühen angelangt, zeigte der tansanische Pastor Yonah Mwambeta großes Interesse. Die Kirche der Moravian Church in Tansania hält selbst 7 Milchkühe und möchte die Kuhhaltung erweitern. Wie sich herausstellte, liegt der Milchpreis pro Liter in Tansania bei 20 Cent, wie bei uns in Deutschland, jedoch bei weit anderen Lebenshaltungskosten.
Fam. Sillus spendete uns für das Frühstück 2 Liter frisch gemolkene Milch, welche von den Tansaniern gerne im schwarzen Tee getrunken wurde.
Nach dem Frühstück stand der Besuch einer Schlosserei in Schwanheim auf dem Programm.
Aufmerksam ließen sich die Gäste von Georg Schmitt die Funktionen der einzelnen Maschinen erklären und fragten nach, ob der Betrieb vom Staat unterstützt wird. Dies wurde verneint und darauf hingewiesen, dass gerade das Gegenteil der Fall sei. Der Betrieb muss Steuern an den Staat zahlen.
Danach ging es weiter zur katholischen Kirche in Fehlheim. Pfarrer Greifenstein entschuldigte seinen katholischen Kollegen. Er erzählte den Gästen von früher, als sich die Katholischen und Evangelischen an den Ortsgrenzen noch mit Steinen bewarfen und Ehen zwischen Katholischen und Evangelischen nicht gern gesehen waren. Er verdeutlichte, dass diese Zeiten vorbei seien und die Ökumene große Fortschritte erzielt. Auch in Tansania gebe es eine Gemeinschaft der verschiedenen Konfessionen und Freikirchen bestätigte Yonah Mwambeta.
Schließlich gelangte die Gruppe zur Grundschule in Fehlheim. Dort wurde sie schon ungeduldig von den Schülern und deren Rektorin, Frau Marx, erwartet. Da es sich um eine musikalische Grundschule handelt, wurden die Gäste mit einem Intermezzo auf selbstgebastelten Trommeln und anderen Instrumenten empfangen. Die Schüler hatten im Unterricht gerade die Nationalhymne gelernt und baten daher die Gäste, ob diese die tansanische Nationalhymne singen könnten. Fasziniert folgten die Kinder dem Klang der fremden Sprache. Danach sangen die Kinder die deutsche Hymne.
Bereitwillig folgten die Gäste der Rektorin durch die einzelnen Räumlichkeit der Schule und erfuhren viel zu den neuen Lehrmethoden. Den Nutzen einer Schultüte am ersten Schultag konnten sie jedoch nicht nachvollziehen. Missverständlicherweise gingen sie davon aus, dass mit dieser Tüte die Kinder das Mittagessen in die Schule gebracht bekommen. Erst nachdem ihnen die Pausenbrotbox gezeigt wurde, erkannten sie, dass dies nicht so ist.
Nach einem herzlichen Dankeschön an die Rektorin verabschiedeten sich die Gäste und es ging weiter nach Rodau.

Dort warteten schon die Landfrauen im alten Rathaus auf die Gruppe. Zunächst hielt Pfarrer Greifenstein eine kurze Andacht im Betsaal, anschließend sangen die Landfrauen unter Begleitung der Melodikagruppe. Gemeinsam spazierte die Gruppe mit den Landfrauen zum Begegnungshof der Sonnenkinder. Vor Ort begrüßte Frau Schulze und Frau Paulin die Gäste und führte sie über das Gelände. Ihnen wurde erläutert, dass der Hof für Kinder mit Handicap konzipiert und die Verwirklichung dieses Modells nur durch Spenden ermöglicht wurde. Auf dem barrierefreien Spielplatz hatten die Tansanier viel Spaß.
Nach einem Mittagessen im Begegnungshof fuhren die Gäste mit dem Dekanatsbus
zur Pröbstin Karin Held nach Darmstadt.

Nach Ihrer Rückkehr wurden sie in Langwaden am Feuerwehrstützpunkt erwartet. Auch der Ortsvorsteher von Langwaden, Günter Bischof, hatte sich dort eingefunden. Dann hieß es „Wasser marsch“. Der stellvertretende Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr erläuterte bereitwillig die Funktionen des Löschfahrzeugs, der Pumpe und des Atemschutzgeräts. Mit großem Interesse verfolgten die tansanischen Gäste den Ausführungen und machten fleißig Notizen.

Zum Abschluss des Besuchs in Langwaden traf man sich in der Kirche in Langwaden. Nach einer kleinen Andacht mit Kirchenvorstandsmitglied Sonja Ahlheim unterhielt der Liederkranz Langwaden die Gäste mit mehreren Liedern. Die Tansanier revanchierten sich mit einem tansanischen Kirchenlied. Es war bemerkenswert zu sehen, mit wie viel Energie sie nach dem langen Tag noch singen konnten.

In Fehlheim bei Familie Bergmann beendete die Gruppe und die Gastfamilien schließlich das Tagesprogramm mit dem Selbstbacken von Pizza. Jeder, auch die Männer, bekamen Teig zum Ausrollen und Belag für die Pizza. Anschließend wurden die Pizzen von Michael Bergmann mit einem großen Brotschieber in den Outdoor-Pizzaofen geschoben. Mmmh…..die Pizzen schmeckten lecker.
Für die tansanischen Männer bedeute das „selbst kochen“ eine Überwindung. In Tansania ist es nicht üblich, dass die Männer das Essen zubereiten. Pastor Yonah Mwembeta schickte daher gleich ein kleines Video von sich beim Teigausrollen an seine Frau nach Tansania. Es wurde ein lustiger Abend, der allen bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben wird.

(Fotos zum Besuch: siehe Galerie „Besuch aus Tansania Sept. 2016“)