Gottesdienst: Feier an der Wattenheimer Brücke

Musikalischer Beitrag von den „Pfarrer-Sumpfonikern“

Großen Zuspruch fand der Gemeinschaftsgottesdienst an der Wattenheimer Brücke.

Einhausen/Lorsch. Zu einem besonderen Gottesdienst strömten am frühen Morgen bei herrlichem Wetter und etwas Morgendunst die Gläubigen aus Lorsch, Einhausen, Schwanheim und Bensheim zu Fuß, mit Fahrrädern oder mit dem Auto zur Wattenheimer Brücke, um dort gemeinsam zu feiern.


In dem dort angelegten Rondell hatten die Verantwortlichen der Lorscher Kirchengemeinde mit Unterstützung der Stadt Lorsch für alles Nötige gesorgt. Die Schwanheimer Feuerwehr zeigte für die Stromversorgung der Mikrofone und die Verstärkeranlage verantwortlich.

Musikalisch sorgten bei dem Taufgottesdienst die „Pfarrer-Sumpfoniker“ mit Dr. Alfred König (Einhausen) am Saxofon, Hans Eisenstein (Schwanheim) an der Trompete, Renatus Keller (Lorsch) an der Gitarre und Uta Voll (Lorsch) am Keyboard für die liturgische und schwungvolle musikalische Begleitung des Gottesdienstes. „Wir konnten nur einmal üben und deshalb klingt unser Zusammenspiel manchmal etwas sumpfig“, erklärte Pfarrer Keller den außergewöhnlichen Namen. Die Gottesdienstteilnehmer allerdings empfanden den Klang mitnichten als „sumpfig“.

Nachdem der Taufkrug mit Weschnitzwasser gefüllt war, spielte das Quartett zur Begrüßung „Morning has broken“ und anschließend wurden zwei Lorscher Jungs – Henry und John – mit Weschnitzwasser getauft.

Erfrischendes Zwiegespräch

Inzwischen hat sich im Kreis herumgesprochen, dass die Predigten der Gemeinschaftsgottesdienste immer etwas ganz Besonderes sind. Nicht zuletzt deswegen waren so viele Gläubige kommen. So wurde diesmal die Predigt als Zwiegespräch zwischen den Pfarrern Dr. Alfred König und Hans Eisenstein gehalten. König erinnerte an die Erschaffung des Paradieses und daran, dass die Schöpfung erhalten werden müsse. Er erinnerte an die Renaturierung der Weschnitz, um Fischen und Pflanzen wieder mehr Raum zu geben, und mahnte, dass man darauf achten müsse, dass Technik und Chemie in der Landwirtschaft nicht überhand nehmen. „Sie reden wie ein typischer evangelischer Pfarrer, der bezahlt wird“, stieg Hans Eisenstein burschikos in das Gespräch ein. Er verstand es einmal mehr, seine ernsthaften Überlegungen in fast kabarettistischer Art zu verkünden, immer wieder unterbrochen durch das Gelächter der Zuhörer. Gott sei auch ein Techniker gewesen und hätte auch Chemie bei der Erschaffung des Paradieses genutzt, so Greifenstein. Man dürfe neue Errungenschaften nicht verteufeln, wenn sie denn richtig angewandt würden. Früher hätte ein Bauer gerademal sich und seine Familie ernähren können, hätte einen Misthaufen vor dem Haus gehabt, aber kein Sparbuch. Heute jedoch könne ein Landwirt etwa 130 Menschen ernähren – und die Technik helfe, manche Naturkatastrophe zu verhindern, so Greifenstein.

Selbstkritisch beleuchtete er aber die Situation der evangelischen Kirche und meinte: „Zum Glück sind noch nicht alle ausgetreten, ein paar sind uns ja noch geblieben.“

Die zwei Pfarrer behandelten verschiedene Themen in unnachahmlicher Art. Am Ende folgte tosender Applaus. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde zu einem Imbiss eingeladen, so dass die Gläubigen gestärkt den Heimweg antreten konnten.

Aus den Reihen der Gottesdienstteilnehmer war zu hören, dass sicher wieder mehr Menschen den Weg in die Kirchen fänden, wenn die Gottesdienste und speziell die Predigten in so gelockerter Form verkündet würden. par

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 10.09.2014