Humor

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht…..“

„Herr Parrer, esse se nur! De Rest krieh’n eh die Säu!“ Solche Sprüche bekam ich als Pfarrer beim Geburtstagsbesuch schon mal zu hören. Ich hatte meinen Spass daran. Es nahm dem Besuch des „Herrn Pfarrers“ viel von der Schwere, die solche „hohen Besuche“ manchmal haben können. Der Lieblingspapst von uns Protestanten, Johannes XXIII., soll zu sich selbst gesagt haben: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig“. Wir Kirchenleute wollen den Menschen um Gottes Willen nahe sein und da ist es gut, dass wir den sakralen Ernst da lassen, wo er hin gehört: In einen besonders feierlichen Gottesdienst zum Beispiel, aber wir sollten ihn nicht immer und überall vor uns her tragen. Dann kommen wir zwar zu den Leuten ins Haus, aber nicht wirklich bei den Menschen und ihrem Leben an.

Natürlich ist das Leben nicht immer nur lustig. Je älter man wird, um so öfter hat man erlebt, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt, nicht wenige finden in ihrem Alltag kaum noch einen Grund, sich von Herzen zu freuen. Immer wieder mal kommen Menschen nach unseren Auftritten mit dem Pfarrerkabarett und bedanken sich mit Worten wie: „Soviel wie heute habe ich schon lange nicht mehr gelacht.“ Einerseits freut mich natürlich das Lob, andererseits erschrecke ich auch ein bisschen. Eigentlich schade oder bedenklich, dass diese Leute erst zu professionellen Spassmachern gehen müssen, um lachen zu können. Freude nur, wenn vorher Eintrittsgeld bezahlt worden ist? Da hat „der Ernst des Lebens“ anscheinend zu große Macht über das Leben der Menschen gewonnen. Wie es scheint, sind wir Protestanten vor allem Spezialisten für die problembeladenen Seiten des Lebens: Unsere Gottesdienste und Versammlungen sind meistens nachdenklich-ernste Veranstaltungen. Häufiger ist da der Grundton schwer und getragen, man hört mehr Klage als Lachen.
Humor ist laut Duden die „Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags in heiterer Gelassenheit zu begegnen.“ Klingt doch ganz nach einem Gottesgeschenk, wenn wir diese Gabe besitzen würden, oder? Das Wort „Humor“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: „Feuchtigkeit“. Humorlose Menschen sind trocken. Und eine Kritik an unserer Konfession. die mich mit am meisten schmerzt ist die, dass viele Menschen uns Protestanten als „trocken“ erleben.
„Evangelische Kirchen sind am Sonntag geöffnet und während der Woche geschlossen. Die Pfarrer auch“, hat Kurt Tucholsky einmal gesagt. Oh jeh! Juden wie Tucholsky gehören für mich zu den Weltmeistern des schlagfertigen Witzes. Gerade die Juden, die oft so wenig zu lachen hatten, haben einen so herrlichen, wunderbaren und gottgesegneten Humor hervor gebracht. Ob der Jude Jesus gelacht hat? Für Jorge von Burgos, dem mordenden Hohepriester der Ernsthaftigkeit in Umberto Ecos „Name der Rose“ ist allein die Frage schon eine Gotteslästerung. Ich dagegen kann mir nicht vorstellen, daß Jesus bei der Hochzeit zu Kana nur ernste, tiefsinnige und intellektuell wertvolle Gespräche mit seinen Freunden, den Fischern vom See Genezareth geführt hat. Ich stelle mir Jesus nicht als einen Oberintellektuellen mit Rollkragenpullover vor, der so trocken ist wie die Salzstangen, an denen er knabbert und für den Humor theoretisch ein interessantes Thema ist, über das er auch schon mehrere Bücher gelesen hat. Jesus war – im Weihnachtslied singen wir es -„wahr Mensch und wahrer Gott“. Wahre Menschen wehklagen und lachen, sind traurig und fröhlich. Je nachdem, wie sie mit der „Unzulänglichkeit der Welt“ gerade zurecht kommen.
Humorlose Ernsthaftigkeit ist für mich deshalb ebenso wenig erstrebenswert wie geistlose Comedy. Beide Haltungen haben nur das halbe Leben im Zerr-Blick. „Lachen oder Weinen wird gesegnet sein“, heisst es in einem der schönsten Segenslieder unseres Gesangbuches. Beides gehört nun mal zu unserem Leben. Und beides hat seine Zeit und seinen Ort.
Allerdings haben wir Christenmenschen einen guten Grund zur Freude: Die Hoffnung auf unsere Erlösung durch Jesus Christus. Wenn das kein Grund zur Freude ist, was dann? Im Osterlied singen wir: „Die Welt ist mir ein Lachen, mit ihrem großen Zorn, sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.“

„Schwierigkeiten und Missgeschicke des Alltags“, das ist die Welt „mit ihrem grossen Zorn“. Paul Gerhardt trifft es – finde ich – noch besser als der Duden. Die Welt in der wir leben, ist – weiss Gott! – allzuoft ein ganz furchtbarer und ganz schrecklicher Ort. Und manchmal haben wir das Gefühl, dass sich alles gegen uns verschworen hat und man könnte glauben, dass sich da jemand echt anstrengt, um uns das Leben zur Hölle zu machen. Aber trotzdem: die Welt „kann nichts machen.“ Warum? Weil da noch eine „unsichtbare Welt“ über, hinter, unter und vor der „sichtbaren Welt“ ist. Und in dieser Welt ist die Macht der Sünde und der Hölle zerbrochen und ein fröhlich triumphierender Christus steht da, schwingt sein Fähnlein als ein Held und des Teufels „Arbeit ist verlorn.“ Wer „Mitbürger und Hausgenosse“ dieser Welt ist, dessen Schiffchen mag vielleicht voll Wasser laufen, es mag sinken, aber es wird nicht untergehen. Wer in Kontakt mit dieser Lebens-Versicherung ist, der kann frei sein in Gefangenschaft, so wie Schliesser und Mithäftlinge den Gefangenen Dietrich Bonhoeffer erlebt und über ihn gestaunt haben. Wer aus dieser Quelle schöpft, bleibt nicht trocken. Feucht-fröhlich dürfen wir also sein, ohne uns vorher betrinken zu müssen. Lachen dürfen wir, ohne vorher dafür Eintritt bezahlen zu müssen. Freigelassene feiern, Gerettete lachen. Das Lachen nimmt dem die Macht, was uns Angst macht.
Wir Christenmenschen und Kirchenleute haben gute Gründe, fröhlich zu sein. Eine entwickelte Humorkultur stünde uns gut zu Gesicht. Mein Humor hat mir in der Seelsorge oft geholfen und mir auch manchen Kontakt zu Menschen leichter gemacht. Darum konnte ich auch öfter Sätze hören wie: „Ach, Herr Pfarrer, wie schön, dass Sie auch gekommen sind. Heute geht’s mir so richtig gut. Heute wird gefeiert, hoch die Tassen, machen Sie mit.“ – „Prima!“, hab ich dann gesagt: „den Rest krieh’n eh die Säu!“

und hier noch ein paar links zu humor-seiten:


http://www.matthias-jung.de/Humor%20I.html

http://www.iwwersedser.de/

http://www.zelczak.com/hesselba.htm

http://www.gavagai.de/humor/HHP23.htm

http://www.kirchenkabarett.info